Erste Hilfe bei Wunden beim Pferd: Was tun, bis der Tierarzt da ist?
Kurzantwort
Eine Wunde beim Pferd sorgt schnell für Unsicherheit. Erste Hilfe bedeutet in dieser Situation nicht, die Verletzung selbst umfassend zu behandeln. Entscheidend ist, Pferd und Umgebung zu sichern, die Verletzung von außen zu beurteilen, den Tierarzt mit den wichtigsten Informationen zu kontaktieren und bis zur tierärztlichen Versorgung nur sichere Maßnahmen durchzuführen.
Die Sicherheit von Mensch und Pferd steht dabei immer an erster Stelle.

1. Pferd und Umgebung sichern
Bringen Sie Ihr Pferd – sofern dies gefahrlos möglich ist – aus der unmittelbaren Gefahrensituation und halten Sie es möglichst ruhig.
Achten Sie dabei besonders auf Ihre eigene Sicherheit. Ein verletztes oder schmerzhaftes Pferd kann ungewohnt reagieren.
Bis das weitere Vorgehen geklärt ist:
- auf die Sicherheit aller beteiligten Personen achten
- Pferd möglichst ruhig halten
- akute Gefahrenquellen vermeiden
- unnötige Bewegung verhindern
2. Welche Informationen helfen dem Tierarzt?
Bevor Sie den Tierarzt anrufen, verschaffen Sie sich von außen einen kurzen Überblick über die Situation.
Dabei geht es nicht darum, selbst eine Diagnose zu stellen oder die Wunde genauer zu untersuchen. Die Beobachtungen helfen dem Tierarzt bei der ersten telefonischen Einschätzung.
Hilfreich sind insbesondere:
- Wo befindet sich die Verletzung?
- Wie groß erscheint die sichtbare Wunde?
- Wie stark blutet sie?
- Lahmt das Pferd?
- Gibt es eine Schwellung oder Wärme?
- Ist ein Fremdkörper sichtbar?
- Wie stark ist die Wunde verschmutzt?
- Wann wurde die Verletzung entdeckt?
- Wie verhält sich das Pferd?
Wichtig: Nicht mit Fingern, Pinzetten oder anderen Gegenständen versuchen, die Tiefe einer Wunde festzustellen.
Ein Foto kann bei der Einschätzung helfen
Ein gut beleuchtetes Foto der Wunde kann bei der telefonischen Rücksprache hilfreich sein.
Achten Sie nach Möglichkeit auf:
- ausreichend Licht
- ein Übersichtsbild der betroffenen Körperregion
- bei Bedarf ein zusätzliches Detailfoto
- genügend Abstand, damit die Lage der Wunde erkennbar bleibt
Bei Lahmheit kann nach tierärztlicher Rücksprache auch ein kurzes Video hilfreich sein – sofern das Pferd dafür nicht unnötig bewegt werden muss.
3. Tierarzt kontaktieren
Nachdem Sie sich einen kurzen Überblick verschafft haben, kontaktieren Sie den Tierarzt und schildern Sie die Situation möglichst konkret.
Die zuvor gesammelten Informationen helfen dabei, das weitere Vorgehen abzustimmen.
Bei akuten Verletzungen erreichen Sie unseren:
24/7-Notdienst: +43 5223 53 420
Mobile Fahrpraxis & stationäre Versorgung durch die Pferdeklinik Pill.
Wann ist eine Wunde ein Notfall?
Welche Verletzungen besonders dringend tierärztlich abgeklärt werden sollten, erklären wir ausführlich in unserem separaten Ratgeber:
→ Wunde beim Pferd: Wann ist eine Verletzung ein Notfall?
4. Was tun bei einer stärkeren Blutung?
Bei einer stärkeren Blutung kann – sofern dies für Mensch und Pferd sicher möglich ist – eine saubere Wundauflage oder Kompresse auf die Verletzung gelegt und gleichmäßiger direkter Druck ausgeübt werden.
Bei einer starken, anhaltenden oder pulsierenden Blutung sollte unverzüglich tierärztliche Hilfe angefordert werden.
Das weitere Vorgehen sollte telefonisch abgestimmt werden.
5. Weitere Maßnahmen mit dem Tierarzt abstimmen
Nach der telefonischen Einschätzung richtet sich das weitere Vorgehen nach Art, Lage und Schwere der Verletzung.
Bis zum Eintreffen des Tierarztes gilt grundsätzlich:
- weitere Maßnahmen nur nach Rücksprache durchführen
- Pferd ruhig halten
- unnötige Bewegung vermeiden
- Wunde vor weiterer Verschmutzung schützen, sofern sinnvoll
Sollte eine verschmutzte Wunde gereinigt werden?
Bei einer oberflächlich verschmutzten Verletzung kann je nach Situation eine vorsichtige Reinigung sinnvoll sein.
Bei tiefen, punktförmigen oder schwer einzuschätzenden Wunden sollte dagegen zunächst Rücksprache mit dem Tierarzt gehalten werden.
Vermeiden Sie es, mit Fingern oder Gegenständen in der Wunde nach deren Tiefe zu suchen.
Das Pferd selbst kann – sofern sicher möglich – von grobem Schmutz befreit werden, damit die Untersuchung unter möglichst sauberen Bedingungen erfolgen kann.
Soll die Wunde verbunden werden?
Eine saubere Wundauflage kann je nach Lage der Verletzung helfen, die Wunde vor weiterer Verschmutzung zu schützen.
Ein Verband sollte jedoch nur angelegt werden, wenn dies für die konkrete Verletzung geeignet ist und Sie sich beim Anlegen sicher fühlen beziehungsweise eine entsprechende tierärztliche Anweisung erhalten haben.
Ein unsachgemäß angelegter Verband kann Druckstellen verursachen oder andere Probleme hervorrufen.
Im Zweifel das Vorgehen telefonisch abstimmen.
Was sollte man bei einer Wunde besser nicht tun?
Gut gemeinte Maßnahmen können die spätere Beurteilung oder Behandlung erschweren. Deshalb sollten einige Dinge bis zur tierärztlichen Rücksprache vermieden werden.
Fremdkörper nicht selbst entfernen
Nagel, Holzstück oder andere Gegenstände sollten nicht eigenständig herausgezogen werden.
Die Lage des Fremdkörpers kann dem Tierarzt wichtige Hinweise über Richtung und mögliche Tiefe der Verletzung geben. Außerdem kann das Entfernen eine Blutung verstärken oder weiteren Schaden verursachen.
Wunde nicht selbst untersuchen oder sondieren
Versuchen Sie nicht, mit Fingern, Pinzetten oder anderen Gegenständen festzustellen, wie tief eine Verletzung reicht.
Eine kleine Hautöffnung kann einen deutlich tieferen Verletzungskanal verbergen.
Keine Salben, Sprays oder Puder ohne Rücksprache
Bei tiefen oder unklaren Verletzungen können Präparate die spätere Beurteilung erschweren oder vor einer weiteren Versorgung wieder entfernt werden müssen.
Deshalb zunächst das weitere Vorgehen abstimmen.
Keine Medikamente ohne Rücksprache geben
Schmerzmittel oder andere Medikamente sollten nicht eigenständig verabreicht werden, sofern dies nicht vorher tierärztlich abgesprochen wurde.
Pferd nicht unnötig bewegen
Bei deutlicher Lahmheit oder wenn tiefere Strukturen betroffen sein könnten, sollte unnötige Bewegung vermieden werden.
Befindet sich das Pferd außerhalb des Stallgeländes, sollte auch ein möglicher Transport zunächst mit dem Tierarzt abgestimmt werden.
Tetanusschutz und Impfpass bereithalten
Wunden können beim Pferd ein relevantes Tetanusrisiko darstellen.
Halten Sie deshalb nach Möglichkeit folgende Informationen bereit:
- Wann erfolgte die letzte Tetanusimpfung?
- Ist der Impfpass verfügbar?
Ob im konkreten Fall eine zusätzliche Tetanusprophylaxe notwendig ist, entscheidet der behandelnde Tierarzt.
Praxis-Tipp:
Notieren Sie das Datum der letzten Tetanusimpfung zusätzlich bei den Notfallinformationen im Stall.
Was sollte für Wundnotfälle im Stall griffbereit sein?

Eine gut organisierte Stallapotheke hilft dabei, im Ernstfall nicht erst nach den wichtigsten Materialien suchen zu müssen.
Sinnvolle Grundausstattung
- Einmalhandschuhe
- sterile Wundauflagen
- sterile Kompressen
- saubere Handtücher
- Verbandwatte
- Mull- oder Fixierbinden
- selbsthaftende Bandagen
- Verbandschere
- sterile Kochsalzlösung
- Fieberthermometer
- Taschen- oder Stirnlampe
- Halfter und Führstrick
- Impfpass bzw. Tetanusinformation
- Notfallnummern
Praxis-Tipp:
Material sauber, trocken und gut erreichbar lagern und nach Verwendung wieder vollständig auffüllen.
Die Ausrüstung soll die Zeit bis zur tierärztlichen Versorgung sinnvoll überbrücken – nicht zur eigenständigen Behandlung komplexer Verletzungen motivieren.
Download-Checkliste
Die wichtigsten Informationen und Materialien auf einer Seite – zum Ausdrucken und griffbereit im Stall aufbewahren.
